Neulich hatte ich Streit mit einer Freundin und ich war sehr emotional geladen. Ich war traurig  und wütend zugleich. Und um meinem Ärger Luft zu machen, rief ich einen Freund an. Seine Antwort als ich ihm von dem Streit berichtete „Jetzt nicht rumzicken, alle zwei.“ Wie ging es mir wohl mit diesem Satz? Was war meine Reaktion darauf? Genau richtig, ich war emotional noch angefasster und beendete sehr schnell das Gespräch. Empathie einer Brechstange! Ja, auch ich kann zickig sein ;-) Als Frau gehört emotionale Unausgeglichenheit dazu.

Warum schreib ich dir das? Ausgesprochen gute Frage! In meinen Trainings bekomme ich oft die Frage gestellt, wofür meine Teilnehmer überhaupt Kommunikationsmodelle lernen müssen. „Das ist doch eh alles veraltet.“ „Das hat nichts mit der Realität zu tun!“. Und ich liebe es ihnen aufzuzeigen, wie alltäglich diese Kommunikationsmodelle sind und wo sie es überall wiederfinden.

Das gängigste Modell ist wohl das Eisberg-Modell. Ich sehe schon bei dem einen oder anderen das Augenrollen. Kaum eine Schulung verläuft ohne die unterschiedlichen Ebenen von Sigmund Freund. Was besagt es? Lass es mich in aller Kürze zusammenfassen. Es besagt, dass Kommunikation auf 2 Ebenen stattfindet. Wir haben einmal die bewusste, sichtbare Ebene (Sachebene) und einmal die unbewusste, gewichtigere Ebene, die Beziehungsebene. Und ähnlich einem Eisberg beträgt der bewusste Teil circa 20% und der unter der Wasseroberfläche liegende 80%. Auf der Sachebene findet sich zumeist das gesprochene Wort wieder, unser Ausdruck. Zahlen, Daten, Fakten, Lösungen… Auf der Beziehungsebene sind unsere Gefühle, Emotionen, Werte, Bedürfnisse, Körpersprache… zu Hause. Sprechen wir nicht auf der selben Ebene miteinander, haben wir ein kommunikatives Problem. Willkommen im täglichen Leben!

Wie zeigt sich das nun im Alltag? Schonmal Ärger mit dem Partner gehabt? Und sich dann bei einer Freundin oder einem Freund über ihn/sie aufgeregt? Wo warst du da unterwegs? Richtig, Beziehungsebene. Und was erwartest du in diesem Moment? Genau, Verständnis und Solidarität. Wir erwarten von unserem Gegenüber, dass er sich mit uns über den Partner auslässt, egal ob wir im Recht sind oder nicht. Wir wollen an dieser Stelle noch keine Ratschläge oder Lösungen (Sachebene). Wir wollen „auf den Schoß“. Und erst wenn wir emotional wieder stabil sind, dann sind wir auch bereit für Aussagen wie „Das hat er/sie sicher nicht so gemeint.“

Noch ein Beispiel gefällig? Erinnerst du dich an deine letzte Mitarbeiterbeurteilung? Du weisst rational, dass es sich um ein objektives Feedbackgespräch handelt (Sachebene) und trotzdem bist du nervös und vielleicht sogar berührt oder verstimmt während des Gesprächs. Warum? Weil oftmals unsere Werte angekratzt werden (Beziehungsebene). Wie zum Beispiel der Wert der Anerkennung. Wird meine Leistung anerkannt?

Alle guten Dinge sind 3: Neulich war mein Patenkind zu Besuch und ich habe für uns Spaghetti Bolognese gekocht. „Schmeckt es dir?“ „Jaa.“ Bei diesem „Ja“ schaut sie auf den Boden und nestelt an ihrem Kleid herum. Schmeckt es ihr wirklich? Du meinst nein? Woran machst du das fest? Weil sie mir nicht in die Augen schauen kann und an ihrem Kleid herumspielt? Genau richtig. Aussage (Sachebene) und Körpersprache (Beziehungsebene) passen nicht zusammen. Wie wirkt es auf mich? Mir tut es leid für das arme Kind (Beziehungsebene).

Überzeugt, dass das Eisbergmodell nicht angestaubt ist und es sich im täglichen Leben wiederfindet?